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Lerneinheit 2

Scheitelpunkt, Wurfdauer und Wurfweite

Input

Die Kenngrößen des schiefen Wurfs

Nun bestimmen wir die wichtigsten Größen eines schiefen Wurfs ganz allgemein aus den Anfangsbedingungen v0, α und h0: die Steigzeit tS bis zum höchsten Punkt, die maximale Höhe hmax, die Fallzeit tF, die Wurfdauer tW und die Wurfweite w. Versuche zuerst, die Formeln selbst herzuleiten – es geht genauso wie beim vertikalen Wurf, nur mit v0y = v0 · sin α.

Steigzeit und maximale Höhe

Am Scheitelpunkt der Bahn kommt die vertikale Aufwärtsbewegung für einen Moment zum Stillstand: vy = 0. Die horizontale Geschwindigkeit ist dort aber unverändert v0 cos α – der Körper bleibt also keineswegs stehen, er bewegt sich in diesem Moment rein waagrecht weiter.

vy(tS) ≝ 0 ⇒ v0 sin α − g · tS = 0 ⇒

tS = v0 · sin αg(1.53)

Die Steigzeit gibt an, wann die vertikale Abwurfgeschwindigkeit durch die Erdanziehung „aufgebraucht“ ist. Die maximale Höhe erhalten wir durch Einsetzen in y(t):

1. hmax = y(tS) = −½ g tS² + v0 sin α · tS + h0
2. = −½ g · v0² sin²α / g² + v0 sin α · v0 sin α / g + h0
3. = −v0² sin²α / (2g) + v0² sin²α / g + h0 (ausmultipliziert und gekürzt)
4. = v0² sin²α / (2g) + h0

hmax = h0 + v0² · sin²α2g(1.54)

Die Steighöhe wächst quadratisch mit der Abwurfgeschwindigkeit und mit dem Sinus des Abwurfwinkels.

Fallzeit und Wurfdauer

Ab dem Scheitelpunkt ist die Bewegung in y-Richtung ein freier Fall aus der Ruhe aus der Höhe hmax. Mit einem neuen Koordinatensystem am Scheitel, nach unten positiv (Zeit t ab dem Scheitel, nicht ab dem Abwurf!), gilt s = ½ g t². Der Körper ist am Boden, wenn die Fallstrecke hmax erreicht ist:

½ · g · tF² ≝ hmax ⇒ tF = √(2hmax/g). Mit (1.54):

tF = √v0² sin²αg² + 2h0g und tW = tS + tF(1.55)

Auch hier gilt: Die Formel für tW ist nichts anderes als die Lösung der quadratischen Gleichung y(tW) = 0 mit der pq-Formel – physikalisch relevant ist nur die Lösung mit dem Pluszeichen.

Die Wurfweite

Die Wurfweite w ist die x-Position zum Zeitpunkt des Aufpralls. Wir setzen die Wurfdauer in (1.50) ein:

w = v0 · cos α · tW(1.56)

Setzt man für tW den vollständigen Ausdruck ein, lässt sich die Formel nicht weiter vereinfachen. Man rechnet deshalb in der Praxis erst tW aus und dann w.

Musterbeispiel v0 = 4 m/s, α = 60°, h0 = 1 m:
tS = 4 · sin 60° / 9,81 s ≈ 0,353 s, hmax = 1 m + 16 · sin²60° / 19,62 m ≈ 1,612 m
tF = √(2 · 1,612 / 9,81) s ≈ 0,573 s, tW ≈ 0,926 s, w = 2 m/s · 0,926 s ≈ 1,85 m

Sonderfall: Abwurf und Aufprall auf gleicher Höhe

Wird vom Boden aus geworfen (h0 = 0), wird alles einfacher: Steigen und Fallen dauern gleich lang, tW = 2 tS = 2v0 sin α / g. Für die Wurfweite folgt:

w = v0 cos α · 2v0 sin α / g = v0² · 2 sin α cos α / g. Mit der trigonometrischen Beziehung 2 sin α cos α = sin(2α):

w = v0² · sin(2α)g (nur für h0 = 0)(1.56a)

Weil sin(2α) für 2α = 90° am größten ist, erreicht man die größte Wurfweite bei α = 45°. Außerdem ergeben komplementäre Winkel (α und 90° − α, z. B. 30° und 60°) dieselbe Wurfweite, denn sin(60°) = sin(120°). Wird aus einer Höhe h0 > 0 geworfen (z. B. beim Kugelstoßen), liegt der optimale Winkel etwas unter 45°.

Abb. 1.5: Wurfweite in Abhängigkeit vom Abwurfwinkel für v0 = 20 m/s
Merke Steigzeit tS = v0 sin α / g, maximale Höhe hmax = h0 + v0² sin²α/(2g), Fallzeit tF = √(2hmax/g), Wurfweite w = v0 cos α · (tS + tF). Bei h0 = 0: w = v0² sin(2α)/g, maximal bei 45°.
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